„Schrumpfende Städte - Internationale Untersuchung", Zentrum für zeitgenössische Kultur“, Bahnhof Halle-Neustadt, 19. November 2005 bis 29. Januar 2006, und „Schrumpfende Städte - Interventionen“, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig, 26. November 2005 bis 29. Januar 2006
Das Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes wurde nach der ersten Ausstellung in den KW Berlin erstmals an einem der Untersuchungsstandorte – in Halle und Leipzig – vorgestellt. Die Region ist mit dem direkten Nebeneinander von Zonen des Wachstums, der Schrumpfung und der Stagnation ein typisches Beispiel für die weltweit stattfindenden räumlichen Polarisierungsprozesse. Ausstellung I "Internationale Analyse" wurde im ‚Zentrum für zeitgenössische Kunst‘ in Halle-Neustadt gezeigt, einem 2003 stillgelegten Bahnhofsgebäude, das zu einem Kulturzentrum umgenutzt wurde. Die Ausstellung II „Interventionen“ in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig präsentierte mit einem Fokus auf Ostdeutschland Handlungskonzepte und Interventionen für schrumpfende Städte. Ausstellungsbeiträge u.a. von Mitch Cope, John Davies, Jeremy Deller, Harun Farocki, Kyong Park, Sergei Miturich, raumtaktik, Jan Wenzel, Tom Wood. Parallel zu den Ausstellungen fand ein umfassendes Begleitprogrammen mit 65 Veranstaltungen statt.














Mit dem „Atlas der Schrumpfenden Städte“ erschien die vorläufig letzte von drei beeindruckend umfangreichen Publikationen des Projekts, in denen die Analysen und Ergebnisse präsentiert werden. In der kurzen, aber präzisen Darstellung der extrem unterschiedlichen Formen der Schrumpfung entwickelt der Atlas die Überzeugungskraft einer Dampfwalze.
Der „Atlas der schrumpfenden Städte“ kann als Standardwerk zur Dokumentation einer Entwicklung bezeichnet werden, die vor allem die europäische Wirklichkeit schon jetzt prägt und in naher Zukunft noch viel deutlicher zum Vorschein kommen wird.
Die Website hält Informationen in drei Sprachen bereit. Die Aktivitäten des Projekts umfassen Ausstellungen, unter anderem einen viel beachteten Beitrag bei der diesjährigen 10. Architekturbiennale in Venedig. Wann wird wohl eine Präsentation der Arbeiten im canadischen Zentrum für Architektur zu sehen sein?
Die Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst präsentiert sich in diesem Winter als Baustelle. Der erst vor einem Jahr fertiggestellte Ausstellungspavillon ist wieder mit Planen verhängt und mit Brettern verschalt, zwischen dem Neubau und dem Stammhaus in der Herfurthschen Villa schirmt ein Bauzaun die Eingangszone ab, ein Container dient als provisorisches Kassenhäuschen. Nur die auf dem Zaun aufgeklebten Plakate mit grotesken Losungen wie "Ostdeutschland halbieren", "Rückschritt kultivieren" oder "Stillstand beschleunigen" weisen die vermeintliche Baustelle als Kunstinstallation aus. Die Simulation einer Baustelle - exakt: einer Rückbaustelle - soll auf die laufende Ausstellung einstimmen. Unter dem Titel "Schrumpfende Städte - Interventionen" werden rund drei Dutzend eigens in Auftrag gegebene Kunstprojekte samt einigen älteren Arbeiten gezeigt, die um Themen wie Deindustrialisierung und Bevölkerungsschwund sowie Umbau und Niedergang von Städten in deren Folge kreisen. Ging es in der Erstschau um eine Analyse von Schrumpfungsprozessen anhand ausgewählter Städte verschiedener Kontinente, so will die zweite Ausstellung "Handlungskonzepte" für den Umgang mit der Verödung von Schrumpfstädten vor allem in Ostdeutschland aufzeigen. Damit sind allerdings weniger konkrete, städtebaulich oder sozialpolitisch umsetzbare Rezepte als mitunter utopische Visionen, Gedankenspiele und performative Aktionen gemeint, die neue Blicke auf den Wandel von Stadt und Landschaft eröffnen sollen, indem sie in provokanter Geste traditionelle Erwartungen an Urbanität und Raumordnung unterlaufen.
Das Projekt geht in seine zweite Runde. Nach der Präsentation von international angelegten Untersuchungen des Phänomens schrumpfender Städte 2004 in den Kunst Werken KW Berlin werden in der Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig jetzt Handlungskonzepte präsentiert. Die Beiträge sind in fünf Handlungsfelder sortiert: «Ungleichheit verhandeln» meint nicht weniger das Prinzip der Gleichheit in der bundesrepublikanischen Raumordnungspolitik aufzugeben und es durch eine gezielte räumliche Förderung auch von Unterschieden zu ersetzen. «Selbst regieren» soll die Selbstorganisation der Bewohner unterstützen. «Bilder machen» heißt, den Rückbau zu planen, wenn er angezeigt ist und sich nicht erfolglos gegen eine Entwicklung zu stellen, die nicht abzuwenden ist. So vernünftig sich diese Maximen lesen, so spektakulär sind einige der präsentierten Projekte. Die Projekte sollen dazu anregen, das Prinzip Stadt neu zu denken und neue Wege des Städtebaus, respektive des Stadtumbaus, zu beschreiten. Dafür schult die Ausstellung, neue Sichtweisen einzunehmen.
Der erste Teil des Projektes, dessen Ergebnisse im vergangenen Jahr zu der Ausstellung Schrumpfende Städte 1 zusammengefasst wurden, versuchte vor allem eine Bestandsaufnahme. Während diese Schau zur Zeit in aktualisierte Form noch einmal in Halle (Saale) zu sehen ist, präsentiert die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig nun den zweiten Teil des Projektes. Um "Interventionen" soll es hier gehen, um Handlungskonzepte, Vorschläge und Zukunftsperspektiven für den riskanten Umbau der Städte. Architekten, Soziologen und Künstler haben sich an einem entsprechenden Wettbewerb der Architekturzeitschrift archplus beteiligt. Jetzt bildet die Dokumentation dieser Arbeiten einen spannenden Ausstellungsparcours in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig, die für diesen Zweck dekorativ mit Sperrholz verkleidet wurde: Das Leben ist eine Baustelle, besonders, wenn gerade abgerissen wird. Das eigentlich Spannende an der Leipziger Ausstellung - und an dem ausführlichen Aufsatzband, der sie begleitet und noch weit über sie hinausgeht - sind die radikalen Visionen.
Die Ausstellung bietet eine Fülle verschiedener Ansätze, entwickelt von internationalen Architekten, Wissenschaftlern, Unternehmern und Künstlern. Rund die Hälfte wurde im Rahmen des Shrinking Cities-Projeket der Kulturstiftung des Bundes realisiert, teils im Auftrag der Stiftung Bauhaus Dessau, teils für den archplus-Wettbewerb "Schrumpfende Städte" und teils als Arbneitssipendien der Galerie. [...]
Keine Institution hat es in den vergangenen Jahren wie die Kulturstiftung des Bundes verstanden, aktuell bedeutende und kulturhistorisch relevante Projekte zu unterstützen und zu initiieren. Das haben besonders die "Schrumpfenden Städte", jenes Forschungs- und Ausstellungsprojekt, das jetzt noch in Halle und Leipzig zu sehen ist, gezeigt. Seitdem es das Projekt gibt, wird nicht nur Leerstehendes abgerissen, sondern auch über die Folgen für die Städte nachgedacht.
Wer die erste Ausstellung "Schrumpfende Städte - Internationale Untersuchung" im vergangenen Jahr in Berlin verpasst hat, bekommt nun die zweite Möglichkeit für einen Besuch. Das Zentrum für zeitgenössische Kultur in Halle zeigt die sehenswerte Ausstellung in aktualisierter Form und in Koperation mit lokalen Künstlern. In der zweiten Aussstellung zeigt die Galerie für Zeitgenössiche Kunst in Leipzig Handlungskonzepte und Interventionen für schrumpfende Städte mit dem Fokus auf Ostdeutschland. Die meisten der vorgestellten Projekte entstanden in Zusammenarbeit mit Bürgern und lokalen Institutionen. Sie reichen von künstlerischen Eingriffen über architektonische, landschaftliche und mediale Interventionen bis zu neuen gewetzlichen Regelungen und utopischen Entwürfen.
Die Ausstellung in der der GfZK denkt weiter, ist zu einem verwinkelten Markt der Möglichkeiten geworden. Kunst am Puls der Zeit. Und als Schrittmacher.
Le vaste projet dirigé par Philipp Oswalt et intitulé Shrinking Cities, incluant conférences, publications et expositions, vient ajouter un jalon théorique essentiel et une bonne dose d´estétique à cette recponnaissance de la déshérence.

